Müssen Friesen anders ausgebildet werden?

Friesen sind Traumpferde: Schwarze lange Mähne, Puschelfüße, lackschwarz. So manche Reiterin würde bei der Wahl zwischen Einhorn und Friese immer den Friesen wählen. Friesen verbinden Kraft und Schönheit auf eine ganz besondere Weise. Doch hat man solch ein Pferd einmal unter dem Sattel,  fällt eins auf: Es ist auch in der Ausbildung anders. Um eingerollte Hälse und feste Rücken zu vermeiden, sollte man als stolzer Friesenbesitzer einiges beachten.

Friesen wurden ursprünglich nicht als Reitpferde gezüchtet sondern für die Kutsche. An der Kutsche gehen sie im Schritt und zeigen einen beeindruckenden Trab mit hoher Knieaktion. Eine körperliche Voraussetzung für diesen Trab ist der hoch aufgesetzte Hals.

Aber eben dieser Hals sorgt dafür, dass diese Rasse Probleme damit hat, sich auszubalancieren, den Rücken aufzuwölben und sich unter einem Reiter, der dann auch noch auf diesem kurzen festen Rücken sitzt, loszulassen. Die meisten Friesen versuchen dann das Gewicht zu „ertragen“ indem sie sich einrollen.

Friesen zeigen aufwändige Bewegungen

Der Trab mit der hohen Knieaktion ist auch nicht darauf ausgelegt flott um Kurven zu traben, sondern locker geradeaus. An der Kutsche schieben die Hinterbeine dabei vermehrt, statt zu tragen, wie wir es uns beim Reiten wünschen. Dazu kommt das Problem, dass diese Rasse ein sehr kleines Herz im Verhältnis zum massigen Körper hat. Länger anhaltendes Vorwärts-Schicken über Tempo verspannt also das Pferd auch durch Ermüdung und eventuell sogar schnell eintretenden Sauerstoffmangel, wodurch die Muskulatur wiederum nicht ausreichend versorgt werden kann. Verspannungen und noch längere Lösungsphasen in der Zukunft sind die Folge.

Was muss man daraus also schließen?

1.) ein schneller Trab wird den Rücken und den ganzen Körper eines Friesen nur noch mehr verspannen. Eventuelles Hängenlassen des Kopfes am Ende der Trainingseinheit zeugt dann nicht von Losgelassenheit sondern von Erschöpfung

2.) für das Bewältigen von Kurven in einer Reitbahn muss das Pferd mit der Hinterhand Last aufnehmen. Das muss ein Friese erst einmal trainieren, dafür ist er auch eigentlich nicht gebaut (steile Hinterhand, häufig hohe und massige Kruppe). Trainieren lässt sich die dafür nötige Kraft nur über sehr kurze Reprisen und viele Verschnaufpausen damit die Muskulatur nicht verspannt.

3.) das Einrollen kann ergo in diesem Fall (übrigens ist dieser Lösung selten eine gute Idee- auch bei anderen Rassen) nicht über ein schnelles, langanhaltendes Vorwärts-Schicken behoben werden. Es wird eher zu einer verschlimmerten Muskelermüdung führen, wodurch der Friese sich noch mehr versuchen wird, einzurollen. Ein Teufelskreis.

4.) Auch ein Galopp kann bei Friesen nicht über langanhaltendes Galoppieren trainiert werden. Trageerschöpfung von Rücken und Gelenken wäre die Folge sowie eventuell sogar ein Herzfehler.

Wie alle Pferde, muss auch beim Friesen das Training individuell zum Pferd passen. Auch beim Friesen gibt es nicht “den Masterplan”, der für alle Pferde gilt, sondern lediglich Parameter, die dafür sorgen, dass dem Friesen die Freude am Training nicht vergeht:

  • kurze Reprisen
  • kurze Trainingseinheiten
  • Vorbereitung über die gewichtslose Arbeit am Boden (klassische Arbeit an der Hand)

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