Klassisch barock

Der Begriff „klassisch-barock“ bezeichnet in der Reiterei die Rückbesinnung auf die Stilepoche des Barock (1575 bis 1770). Damals trugen die Leute noch komische Gewänder und die Pferde wurden meist auf Kandare geritten. Bedeutet „klassisch barock reiten“ also, dass ich mich verkleiden und spanische Pferde mit Stangengebiss reiten muss? Das wurde ich tatsächlich schon gefragt. Meine Antwort: Keineswegs!

Für mich bedeutet „klassisch barocke Reiterei“ tatsächlich eine Wiederbelebung der Theorien und Praktiken von historischen Reitmeistern wie z.B. Francois Robichon de la Guérinière, Pluvinel, Baucher, Steinbrecht uva. In Kombination mit dem, was wir heute über die Biomechanik und das Wesen der Pferde wissen, hilft uns das Wissen der alten Meister, Reitern zu erklären, wie sie ihr Pferd noch besser verstehen. Viele Freizeitreiter suchen heute einen Gegenpol zur Turnierreiterei. Die klassische Reitkunst gibt dem Pferd die Zeit, die es braucht in der Ausbildung und legt ihren Fokus auf die Gesunderhaltung des Bewegungsapparates. So kann die Ausbildung von Reiter und Pferd in größtmöglicher Harmonie stattfinden.

Vieles, was heute unter neuen Namen verkauft wird, praktizierten und wussten schon de la Guérinière und seine Kollegen. De la Guérinières Buch „Ecole de Cavalerie“ kann ich jedem Reiter nur ans Herz legen. Denn obwohl das Buch schon 1733 erschien, ist sein Inhalt so aktuell wie eh und je und berücksichtig sowohl Biomechanik als auch natürliche Bedürfnisse des Pferdes bei der Ausbildung. Die klassisch barocke Reiterei hat also trotz ihrer frühen Entstehung schon einen ganzheitlichen Ansatz.