Richard Hinrichs: Wie motiviere ich mein Pferd? Teil 1

Der Frage „Wie motiviere ich mein Pferd?“ stellte sich an diesem Wochenende ein Fortbildungs-Seminar bei Richard Hinrichs in Fuhrberg, an dem ich teilgenommen habe. Richard Hinrichs nahm sich für eine umfassende Beantwortung dieser Frage den kompletten Tag Zeit und ging gemeinsam mit seiner Frau Irene Raab-Hinrichs, seinen Pferden und einem Team aus Reitern und ihren Pferden auf verschiedene Aspekte des Motivierens ein. Davon möchte ich Euch hier gerne berichten.

Im Zentrum seiner Ausführungen stand die Erkenntnis:

„Motivieren kann man durch das in Aussicht stellen eines Vorteils oder das Vermeiden eines Nachteils.“

— Richard Hinrichs

Doch was bedeutet das eigentlich konkret? Und was muss ich dabei beachten?

Gehen wir zunächst auf die genannten Möglichkeiten der Motivierung ein: Für das Motivieren durch das „in Aussicht stellen eines Vorteils“ bietet sich prinzipiell als einfachste Erklärung das Futterlob an. Wenn also mein Pferd etwas gut macht, belohne ich es mit einem Leckerli. Mein Pferd wird schnell verstehen: Ich bekomme etwas Leckeres, wenn ich kooperiere. Beim Reiten wird das mit dem Futterlob jedoch schnell schwierig. Gebe ich jedes Mal ein Futterlob, lernt mein Pferd eventuell sich ständig zu mir umzudrehen. Außerdem muss das Futterlob innerhalb von drei Sekunden vom Pferd mit der zu belohnenden Aktion in Verbindung gebracht werden. Sonst verbindet es das Lob z.B. eher mit dem, was es kurz vor dem Lob zuletzt getan hat.
Auf diese Form des Lobes ging Richard Hinrichs, wahrscheinlich aus diesen Gründen, in seinen Ausführungen auch nicht ein. An der Hand sah ich mehrfach, dass er bei einigen Pferden auch das Futterlob nutzte. Der in Aussicht zu stellende Vorteil für das Reitpferd steht für ihn jedoch eher im Zusammenhang mit der Aussicht auf geringere Anstrengung.

Das ist logisch: Die gymnastizierende Arbeit unter dem Reiter beinhaltet Aspekte der Koordinationsschulung und des Krafttrainings. Beide Aspekte sind für das Pferd primär erstmal anstrengend. Es muss sich konzentrieren und seine Muskeln werden beansprucht.

Also kann ich als Reiter das Wissen um die Anstrengung nutzen, indem ich die Erarbeitung von Lektionen so aufbaue, dass sie dem Pferd nicht anstrengend erscheinen. Ein gutes Beispiel hierfür war am Seminartag eine Reiterin auf einem Friesen, die eine Galopp-Pirouette trainieren wollte.

Sie begann die Arbeit mit einer Schritt-Pirouette. Das Pferd muss sich dabei auf die Koordination in der Pirouette konzentrieren- anstrengend! Nach einer Viertel-Pirouette im Schritt, gab die Reiterin die Galopphilfe und das Pferd durfte die Lektion mit einem Galoppsprung beenden. Ergebnis: Das Pferd lernt so, dass der Galoppsprung das Ende der Anstrengung bedeutet. Es wird den einen Galoppsprung als Erleichterung empfinden, obwohl die Pirouette im Galopp später eigentlich kräfteraubender ist, als im Schritt. Im Idealfall freut sich das Pferd aber durch diese Vorgehensweise schon auf den einen Galoppsprung, weil es dann weiß, dass es seine Sache gut gemacht hat und aufhören darf.

„Würde ich am Anfang schon mehrere Galoppsprünge verlangen, dann denkt das Pferd: „Ohje wie anstrengend, die hört ja nie mehr auf damit“. Ich zeige ihm ein Licht am Ende des Tunnels.“

— Richard Hinrichs

Die Motivation durch „In Aussicht stellen eines Vorteils“ haben wir jetzt verstanden. Die zweite von Richard Hinrichs genannte Möglichkeit ist das „Vermeiden eines Nachteils“. Auch hierfür gab es schöne Beispiele. So erklärte Hinrichs anhand eines Pferdes, das im Trab zu unruhig war, dieses Prinzip. Er ließ das Pferd zum Schritt durchparieren und wieder antraben.

„Dieses Pferd war mir eben etwas zu übermütig. Deswegen habe ich es zurück geführt in den Schritt. Ein solcher Übergang setzt eine hohe Koordinationsfähigkeit des Pferdes voraus. Wenn ich viele Übergänge reite, ist das für das Pferd anstrengender, als wenn wir einfach in einem ruhigen Tempo traben.“

— Richard Hinrichs

Er stellte also dem Pferd in Aussicht: Wir können doch ganz ruhig traben, das ist doch angenehmer als die anstrengenden Übergänge.

Wichtig für beide Aspekte des Motivierens ist natürlich, dass der Reiter weiß, was sein Pferd leisten kann und dementsprechend handelt. Dabei müssen Exterieur und Interieur des Pferdes berücksichtigt werden sowie der Trainingsstand. Ein Pferd das z.B. wie das zuletzt erwähnte Pferd besonders viel Bewegungsdrang hat, motiviere ich eventuell eher durch ein frischeres Tempo im Anschluss an eine versammelnde Übung. Ein phlegmatischeres Pferd, motiviere ich eher durch die Aussicht auf völlige Ruhe. Auch darauf muss ich eingehen können.

Richard Hinrichs nennt in diesem Zusammenhang noch einen weiteren Aspekt der Motivation: Den Reiter selbst. Der Mensch muss entspannt sein.

„Bin ich entspannt, entspannt sich auch mein Pferd.“

— Richard Hinrichs

Dazu gehört, dass der Reiter sich selbst und das Pferd nicht mit seinen Erwartungen unnötig unter Druck setzt. Als Mensch sollten wir, nicht denken: „Warum hast Du denn nicht die Kraft diese Lektion auszuführen, komm weiter und noch mehr und noch mehr.“ Sondern wir sollten lieber denken:

„Komm, mach die lächerlichen zwei Galoppsprünge und dann bist du fertig.“

— Richard Hinrichs

Hinrichs ist überzeugt davon, dass die Pferde diesen völlig anderen Ansatz sehr positiv aufnehmen. Ich muss also gucken, dass das, was ich von ihnen möchte, von den Pferden nicht als größere Anstrengung angesehen wird, sondern als durchführbar und ich sollte das positive Bild von der geringeren Anstrengung als Gedanken in mir tragen.

Dabei weist Hinrichs außerdem auf zwei Grundemotionen hin, die stets zu berücksichtigen sind: Liebe und Furcht. Um das Pferd als Fluchttier dazu zu bringen, mit uns zu kooperieren, benötigen wir sein Vertrauen. Nur wenn das Pferd uns vertraut, können wir uns auch in heiklen Situationen auf das Pferd verlassen.

„Wenn ich in jeder Situation konsequent bleibe und nicht ungerecht werden, dann baue ich mir Vertrauen auf.“

— Richard Hinrichs

Liebe besiegt also die Furcht. Das so gewonnene Vertrauen wiederum sorgt auch beim Pferd für Motivation. Haben wir als Menschen in einer für das Pferd beängstigenden Situation, unsere eigenen Emotionen im Griff, reagieren gelassen und konsequent und bieten dem Pferd damit einen Rahmen in dem es sich trotz der vermeintlichen Gefahr entspannen kann, verbessern wir das Vertrauensverhältnis zu unserem Partner Pferd und das Pferd wird die Möglichkeit haben, sich auf uns und das, was wir in dem Moment möchten, zu konzentrieren.

Und das führt uns wieder zu dem Punkt zurück, an dem wir berücksichtigen müssen, mit was für einem Typ Pferd wir es zu tun haben. Das eine ist vielleicht ängstlicher und benötigt mehr Sicherheit vom Menschen, das andere Pferd ist selbstbewusster und kommt mit den unterschiedlichsten Situationen gut klar. Was Richard Hinrichs uns in diesem Zusammenhang zu den Themen Anlehnung und Takt im Zusammenhang mit Motivation erzählt hat, lest Ihr demnächst im zweiten Teil dieses Berichtes.

Foto: Mireta von Rantzau

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Was haben Renvers und Travers mit dem Galopp zu tun?

Neulich kam im Unterricht die Frage auf, weshalb einige klassische Ausbilder meinen, dass der Galopp erst erarbeitet werden soll, wenn das Pferd Renvers und Travers in Schritt und Trab unter dem Reiter sicher beherrscht.

Die Ausbilder, um die es dabei in erster Linie geht, sind alte Bekannte: De la Guérinière ist einer von ihnen und auch Gustav Steinbrecht vertrat, je nach Pferdetyp, Interieur und Exterieur, diesen Ansatz.

Das Thema ist spannend, weil etwas komplizierter: Es geht um Fußfolgen, Gleichgewicht, Schiefe und die richtige Gymnastizierung des Pferdes. Kurzum: es geht eigentlich genau um das, was Dressur eigentlich ist und wofür sie da ist.

Um das Thema ganz genau erklären zu können, habe ich mich selbst noch einmal mit Richard Hinrichs, Dominique Belaud, Dr. Thomas Ritter und Johannes Beck-Broichsitter darüber unterhalten. Bei ihnen möchte ich mich hier an dieser Stelle schon mal ganz herzlich für Ihre Erklärungen bedanken.

Seitengänge- was ist das eigentlich?

Um dahinter zu kommen, was die klassischen Ausbilder meinen, muss ich erst einmal auf die verschiedenen Seitengänge und ihren gymnastischen Nutzen eingehen. Wer sich noch genauer mit der Materie beschäftigen möchte, dem empfehle ich am Ende dieses Artikels einige Bücher, die sich ausgiebig mit den Seitengängen und ihrer Erarbeitung sowie mit dem Galopp beschäftigen. Besonders hervorheben möchte ich jetzt schon das Buch „Seitwärts unterwegs“ von Johannes Beck-Broichsitter, das im CADMOS Verlag erschienen ist. Es ist eins meiner absoluten Lieblingsbücher, weil es alle Seitengänge sehr anschaulich und ausführlich beschreibt und sich dabei nicht in irgendwelchen komplizierten „Links-Rechts“-Erklärungen verliert (ja ich habe da so meine Probleme. Mir persönlich ist beim Reiten „innen und außen“ als Beschreibung sehr viel lieber, um schnell nachvollziehen zu können, was ich machen muss. Außerdem bin ich selbst ein Mensch, der viel über optische Eindrücke erschließt. Herrn Beck-Broichsitter ist diese Verständnis-Problematik durch jahrelange Arbeit mit Reitschülerinnen und Traineranwärterinnen durchaus bekannt, wie ich im Trainerlehrgang bei ihm erfahren durfte. Daran liegt es sicher, dass er diese Dinge in seinem Buch so besonders verständlich und hübsch und auch mit anschaulichen Bildchen erklärt.).

Zu den echten Seitengängen gehören Schulterherein, Konter-Schulterherein, Renvers und Travers sowie Traversalverschiebungen. In den Seitengängen ist das Pferd gestellt und gebogen und bewegt sich auf drei oder vier Hufspuren „in einer ständigen Vorwärts-Seitwärts-Bewegung in Versammlung“ (aus Johannes Beck-Broichsitter, Seitwärts unterwegs, CADMOS). Man unterscheidet zwischen unterschiedlichen Abstellungswinkeln.

Trabstellung und Galoppstellung

Manche von Euch haben vielleicht schonmal was von der Trabstellung und der Galoppstellung gehört. Diese Bezeichnungen wurden von Gustav Steinbrecht in seinem Werk „Gymnasium des Pferdes“ verwendet und werden heute nur noch selten benutzt. Unter der Trabstellung verstand Steinbrecht das Schultervor. Mit der „Galoppstellung“ bezeichnete er das „In Stellung reiten“.

Aber warum nannte er diese beiden Lektionen so und was haben sie mit Renvers und Travers zu tun?

Streng genommen sind „Schultervor“ und „In Stellung reiten“ keine Seitengänge. Sie sind, sagen wir mal „die kleinen Schwestern“ von „Schulterherein“ und „Travers“. Das Schultervor ist quasi eine Vorübung für das Schulterherein. Statt auf drei oder vier Hufspuren, bewegt sich das Pferd weiterhin auf zwei Hufspuren. Das innere Hinterbein tritt dabei aber vermehrt unter den Schwerpunkt in Richtung zwischen die Vorderbeine. Das innere Hinterbein wird also zu vermehrtem Schub angeregt. Dieser ist aber noch nicht so stark wie beim später gerittenen Schulterherein, weswegen sich das Schultervor hervorragend zur schonenden Vorbereitung des jungen Pferdes auf das Schulterherein eignet. Weil das Schulterherein eine diagonale Fußfolge wie im Trab fördert, da hier das innere Beinpaar vorwärts und seitwärts tritt, nennt Steinbrecht die Vorstufe des Schulterhereins- also das heute so genante Schultervor auch „Trabstellung“.

Beim „In Stellung reiten“ ändert sich die Bewegungsrichtung der Hinterbeine: Wie später im Travers, wird hier das äußere Hinterbein zur vermehrten Schubaufnahme angeregt. Aber wie beim Schultervor, fußt das Pferd auch bei dieser Lektion nicht auf vier Hufspuren wie es im Travers üblich wär. Es wird lediglich das äußere Hinterbein zur vermehrten Schubaufnahme durch stärkeres „unter den Schwerpunkt treten“ angeregt. Bei dieser Lektion wird ein Betrachter von vorne das äußere Hinterbein zwischen den Vorderbeinen erkennen können.

Dr Thomas Ritter erklärt in seinem Buch „Klassisches Reiten auf Grundlagen der Biomechanik“:

„Vom allgemeinen, systematischen Standpunkt aus gesehen kann man festhalten, dass das Hinterbein, das im Seitengang übertritt, das vermehrt schiebende ist, wohingegen das gegenüberliegende Hinterbein, das sich im Augenblick des Kreuzes am Boden befindet, das die Last vermehrt stützende ist. Das ist für den praktischen Reiter aus folgenden Gründen von größter Bedeutung: In den schulterhereinartigen Seitengängen ist der äußere Hinterfuss der vermehrt tragende, während der innere Hinterfuss der vermehrt schiebende ist. In den traversartigen Seitengängen ist der innere Hinterfuss der vermehrt tragende, während der äußere Hinterfuss der vermehrt schiebende ist.“

— Dr. Thomas Ritter

Die großen Schwestern: Renvers und Travers

Wenn man nun also weiter nachdenkt, leuchtet es ein, dass Renvers und Travers, als weiterführende Schwester-Übungen des „In-Stellung-Reitens“ den Galopp weiter fördern und vorbereiten. Im Travers wird das äußere Hinterbein wie beim Angaloppieren in die Lage gebracht, vermehrt vorzugreifen. Das Pferd findet daher in dieser Stellung leichter die richtige Fußfolge zum Angaloppieren. Warum das so ist? Ganz einfach: Der Galopp wird in der Fußfolge vom äußeren Hinterbein eingeleitet. Das innere Hinterbein nimmt in der nächsten Galoppphase vermehrt Last auf, wie auch im Travers.

Noch weiter gedacht, ist es dann auch nur noch ein kleiner Schritt, zu verstehen, warum es durchaus Sinn macht, fliegende Galoppwechsel in der späteren Ausbildung durch ein Renvers einzuleiten. Dadurch, dass im Wechsel vom Handgalopp zum Renvers das vorschiebende Hinterbein wechselt, springt so das Pferd automatisch mit der Hinterhand zuerst um.

„Das wirkliche, auf dem richtigen Schulterherein gegründete Renvers ist hingegen in allen seinen Abstufungen eine ebenso schöne als wirksame Übung für das Pferd. Es findet seine vollständige Erklärung durch die Bezeichnung Konter-Travers und ist dem Schulterherein insofern verwandt, als bei beiden die Hinterhand auf den äußeren Hufschlag gerichtet ist, insofern aber entgegengesetzt, als die Biegung im Renvers in der Richtung der Fortbewegung des Pferdes genommen wird, wodurch sie der Seitwärtsbewegung der Kruppe entgegenwirkt. Hierdurch gibt diese Lektion, ebenso wie das Travers, dem Reiter eine große Gewalt, das innere Hinterbein durch den Grad der Biegung- sofern diese nämlich richtig ist- überwachen zu können. Da das Renvers denselben starken Grad von Versammlung erfordert wie das Travers, und die stark belastete Hinterhand dennoch räumiger treten muss als die auf die innere Linie gerichtete Vorhand, so erfordert es lebhaftes und kräftiges Arbeiten der Hinterbeine.“

— Gustav Steinbrech, Gymnasium des Pferdes

„Namentlich muss der Reiter sich vor der Galopparbeit bemühen, auch in dieser Lektion (Anm. der Autorin: Er spricht hier über die verschiedenen Abstellungen des Renvers), den Trab sicher zu begründen. Er erinnere sich dabei stets, dass sowohl die Trab- wie die Galoppstellung ihren Namen von der Verwandtschaft mit den betreffenden Gangarten haben, und dass daher eine wahre Prüfung der in diesen Grundgangarten gewonnenen Sicherheit nur in der umgekehrten Anwendung beider Lektionen liegen kann. Ich kann es nicht oft genug wiederholen, dass ebenso wie der Galopp an Vollkommenheit gewinnt, je mehr er sich der Trabstellung nähert, so auch der Trab sich verbessert, je sicherer er in den Travers und Renvers-Stellungen ausgebildet ist. Der beste Beweis dafür, dass der Galopp nicht zu frühzeitig, zu überwiegend oder falsch geübt wurde, ist immer die Tatsache, dass er der Trabbewegung in jenen Lektionen nichts von ihrer Frische und Reinheit geraubt hat.“

— Gustav Steinbrech, Gymnasium des Pferdes

„Eine Regel, die von allen geschickten Reitern beobachtet wird, ist: dass man niemals eher ein Pferd in Galopp setzen muss, bis es durch den Trab so gelenks gemacht ist, dass es sich von selbst, ohne in die Hand zu drücken oder zu ziehen, zum Galopp zeigt; man muss demnach warten, bis sein Körper biegsam ist, bis es in der Schule Schulter einwärts seine Schenkel zirkelförmig zu bewegen gelernt hat, bis es der Schule Kruppe an die Mauer (Renvers), den Schenkeln folgt, und bis es durch den stolzen Tritt (Piaffe) in den Pilaren leicht geworden ist. Sobald es zu diesem Grad von Gehorsam gekommen ist, so bedarf es nur geringer Hülfe, um es in den Galopp zu bringen, und es wird dieses mit Vergnügen tun.“

— Francois Robichon de la Guérinière

De la Guérinière ging noch weiter: Er empfahl, das Pferd im Schulterherein zu galoppieren, um seiner natürlichen Schiefe entgegen zu wirken. Die positive Wirkung des Schulterhereins im Galopp erklärt er dadurch, dass das Pferd durch diese Lektion lernt, sich weiter in den Hanken zu setzen. Dadurch wurde ein schön gesetzter Bergaufgalopp trainiert, der nicht möglich wäre, wenn das Pferd, wie es viele Pferde tun, das innere Hinterbein weit nach vorne setzt und damit von der Linie des Vorderbeins abweicht.

Geduld mit der Muskulatur von jungen Pferden

Jedem jungen Pferd sollte man also die Zeit geben, die Muskulatur der Hinterhand für einen getragenen Galopp zu trainieren. Immer sollte der Reiter im Hinterkopf haben, dass jeder Sprung zuviel die Losgelassenheit und die Motivation des Pferdes beeinträchtigen kann. Ein verspannter Galopp hat keinen gymnastischen Nutzen für das Pferd und ist unbequem zu sitzen. Außerdem birgt ein Zuviel immer die Gefahr, dass wir durch die entstehenden Verspannungen eher mit Rückschritten kämpfen müssen, als mit einem Fortschritt in der Arbeit.

Steinbrecht weist in seinem Werk darauf hin, dass die alten Meister schon erkannt hatten, dass die Reinheit des Travers im Trab überprüft werden müsse und sie den Galopp zur Probe des Schulterhereins nutzten. So wurde der Galopp nicht im Travers geritten, bevor der Reiter nicht das innere Hinterbein durch gezieltes Travers in einem reinen und versammelten Trab vollkommen beherrschte. Steinbrecht erinnert hier auch noch einmal ganz explizit, dass der Reiter den Abstellungsgrad von Schulterherein und Travers immer an den möglichen Versammlungsgrad und Trainingsstand seines Pferdes anpassen muss. Je höher die Abstellung, desto höher die Versammlung in den Seitengängen, da durch die Biegung und Stellung vorne, hinten die Beine dazu veranlasst werden, kürzer zu treten, da der Weg, den die Hinterhand auf der Linie zurücklegt kürzer ist als der der Vorderhand.

Dr. Thomas Ritter schrieb mir zu diesem Thema noch:

„Steinbrecht hat durchaus recht, mit dem, was er sagt. Der Galopp hat in Fußfolge und Stellung eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kruppeherein. Daher sieht man so viele Pferde, die im Galopp mit der Kruppe nach innen ausweichen und auf drei Hufschlägen galoppieren. Gibt man dem Pferd eine Schultervorstellung im Galopp, ist es besser geradegerichtet. Im Trab weichen viele Pferde auf Grund ihrer Schiefe gerne im Kruppeherein und in der Traversale in den Galopp aus. Das ist dann immer auch ein Zeichen einer gewissen Undurchlässigkeit, die wieder in engem Zusammenhang mit der Schiefe steht. Bleibt das Pferd in den traversartigen Seitengängen im Trab, ist das ein ganz gutes Zeichen.

De la Guérinière empfiehlt, mit der Galopparbeit so lange zu warten, bis das Pferd alle Seitengänge im Trab, sowie Piaffe und Passage beherrscht – wahrscheinlich ein Indiz dafür, dass die Pferde seiner Zeit keine gute natürliche Galoppade hatten und viel Zeit und Mühe kosteten, bis sie sich im Galopp ausbalancieren konnten.“

— Dr. Thomas Ritter

Ihr seht also: Dieses komplexe Thema ist durchaus essentiell für die Ausbildung unserer Pferde und wird zu Unrecht häufig vernachlässigt. Hat man das Prinzip und die biomechanischen Gründe für die gymnastizierende Wirkung der Trab- und der Galoppstellung und damit auch von Schulterherein, Renvers und Travers aber erst einmal durchschaut, ist das Vorgehen sehr logisch und es erleichtert bei konsequenter Anwendung die Ausbildung des Pferdes enorm.

Buchempfehlungen:

Johannes Beck-Broichsitter: Seitwärts unterwegs, CADMOS

Dr Thomas Ritter: Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik, CADMOS

F.R. de la Guérinière: Reitkunst

Gustav Steinbrecht: Gymnasium des Pferdes, FN Verlag

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Feine Hilfen: Kräuter und Wiese

Aus der Ausgabe 10

Immer mehr Ställe bieten artgerechte Haltungsformen mit viel Weidegang. Gleichzeitig leiden immer mehr Pferde an Wohlstandserkrankungen. Können wir die Vegetation von Pferdeweiden so beeinflussen, dass die Zusammensetzung des Wiesenaufwuchses pferdegerechter wird?

Fast Food macht krank. Was für uns Menschen zutrifft, gilt auch für Pferde. Zuckerhaltige und einseitige Ernährung führt auch bei ihnen zu Adipositas. Heute leiden schon 50% unserer Freizeitpferde an dieser Erkrankung.

Und Adipositas- also Fettleibigkeit- führt genau wie bei uns Menschen auch beim Pferd zu weiteren Erkrankungen: Cushing, EMS und Sommerekzem sind drei Begriffe, von denen die meisten Reiter und Pferdebesitzer vor einigen Jahren nur eine vage Vorstellung hatten. Heute gehören diese Diagnosen beim Tierarzt zum Standart und der Markt mit entsprechenden, auf die Bedürfnisse von erkrankten Pferden abgestimmten Futtermitteln, boomt. Doch woran liegt das? Hat sich etwas verändert in den letzten Jahren?

So beginnt mein Artikel über die Wiesenaufwuchs und Kräuterbeisaaten in Ausgabe 10 des Bookazins “Feine Hilfen”. Ich beschreibe darin, was für Schwierigkeiten die immer populäreren artgerechten Haltungsformen mit sich bringen und warum Pferde ein besonderes Weidemanagement benötigen. Außerdem informiere ich über die neuesten Erkenntnisse zu Kräuterbeisaaten und inwiefern diese der Wiese nachhaltig beigesät werden können.

Feine Hilfen Ausgabe 10 Cover

Feine Hilfen- was für ein Heft ist das?

„Feine Hilfen“ ist eine neue Mischung aus Buch und Magazin- also ein Bookazin. Es erscheint jeden zweiten Monat im Cadmos Verlag und ist für Reiter gedacht, die ihre Pferde im Sinne der klassischen Reitkunst- also artgerecht und mit dem Ziel der gesunderhaltenden Gymnastizierung- halten, ausbilden und trainieren möchten. Dabei stehen in den Artikeln des Bookazins sowohl psychische als auch physische Besonderheiten des Wesens “Pferd” im Fokus. Renommierte Ausbilder wie z.B. Thomas Ritter, Marlitt Wendt, Kathrin Brunner-Schwer oder Sibylle Wiemer, um nur einige zu nennen, schreiben und philosophieren hier über unser liebstes Thema.

Wer mehr als nur meinen Artikel lesen möchte kann das Feine Hilfen Bookazin HIER bestellen.

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Zügelhilfen nach François Robichon de la Guérinière

„Herr de la Broue, und nach ihm der Herzog von Newcastle sagen: zu einer guten Hand wird erfordert, dass sie leicht, weich und stäte sei. Diese Vollkommenheit hängt aber nicht allein von der Verrichtung der Hand , sondern auch von dem Sitz des Reiters ab: denn ist der Körper wankend, oder in Unordnung, so kommt die Hand aus der Stellung, in der sie sein muss, und der Reiter ist mit nichts als seiner Haltung beschäftigt; nebst dem müssen auch die Schenkel mit der Hand übereinstimmen, weil Sonaten die Wirkung der Hand  niemals genau sein würde. Man nennt dieses in der Kunstsprache, mit Hand und Schenkel übereinstimmen (accorder la main et les talons), welches die Vollkommenheit von allen Hülfen ist“

— François Robichon de la Guérinière

Um dieses Zitat zu verstehen, müssen wir zunächst einmal wissen, dass zu Zeiten von François Robichon de la Guérinière die Zügel meist nur mit einer Hand geführt wurden. Das Ziel der klassisch barocken Reiterei ist also grundsätzlich auch das Pferd einhändig reiten zu können.

Im zweiten Teil seines Buches “École de Cavalerie” mit der Überschrift “Von der Abrichtung der Pferde zu ihrem verschiedenen Gebrauch und Bestimmung”, aus dem auch obiges Zitat stammt, geht de la Guérinière noch näher auf die Zügelhilfen ein. So erklärt er, dass das Pferd vier “Hauptgänge” habe: Vorwärts, rückwärts, linksrum und rechtsrum. Diese vier Richtungen müsse die Reiterhand entsprechend durch Nachgeben, Anhalten, Rechtswenden und Linkswenden unterstützen.

  1. Nachgeben zum Vorwärtsgehen
    Hierfür soll der Reiter die Hand etwas niedriger einstellen und sie so abwärts drehen, dass die Fingernägel leicht abwärts weisen.
  2. Anhalten
    Die Hand soll hierfür leicht zum Körper hin wirken und gleichzeitig aufwärts gedreht werden. Diese Hilfe diene dazu, ein Pferd zu parieren, eine halbe Parade zu geben oder es rückwärts treten zu lassen. Dabei soll man darauf achten, das Gewicht nicht zu sehr in die Steigbügel zu legen, sondern eher die Schultern etwas zurück zu nehmen.
  3. Die Wendung rechts
    Man führt die Hand nach rechts und dreht die Hand leicht nach oben, so dass dieFingernägel leicht aufwärts zeigen. Das führt dazu, dass der äußere Zügel- also der linke Zügel- das Pferd nach rechts führt.
  4. Die Wendung rechts
    Man führt die Hand nach links und dreht die Hand leicht abwärts, so dass die Fingernägel leicht nach unten zeigen. So wird der rechte Zügel, der auf dieser Hand der äußere Zügel ist, das Pferd führen können.

Weiter geht de la Guérinière in diesem Kapitel darauf ein, dass es unterschiedliche Formen der Zügelführung gibt. Er geht von drei Arten aus:

  1. Mit geteilten Zügeln
    Den rechten Zügel in der rechten Hand, und den linken Zügel in der linken Hand. Diese Variante empfiehlt de la Guérinière für junge Pferde, die es noch nicht gewöhnt sind, der Zügelhand zu folgen. Weiter sei sie geeignet für widersetzliche Pferde besonders für solche, die sich weigern auf einer Hand zu wenden.
  2. Beide Zügel gleichlang in der linken Hand
    Diese Art zu reiten wäre vor allem bei Campagne- und Soldatenpferden, die soweit ausgebildet sind, dass sie den Zügelhilfen folgen, zu empfehlen.
  3. Ein Zügel kürzer als der andere in der linken Hand
    Reitet man ein Pferd in der Reitbahn, so sollte immer der innere Zügel leicht kürzer sein als der äußere. François Robichon de la Guérinière denkt, dass ein Pferd in der Reitbahn gestellt und gebogen sein sollte. Er ermahnt seine Leser jedoch, den inwendigen Zügel nicht zu stark zu kürzen, da sonst das Pferd in eine falsche Anlehnung kommen würde. Außerdem würde ein zu starkes Verkürzen des inneren Zügels verhindern, dass der Reiter die Wirkung beider Zügel in seiner Hand spürt.

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F.R. de la Guérinière: Wie wird man ein guter Reiter?

„Die Wissenschaften und Künste haben Grundsätze und Regeln, durch welche man Entdeckungen macht, die zu ihrer Vollkommenheit führen. Nur die Reitkunst allein scheint einer bloßen Übung zu bedürfen.“

— François Robichon de la Guérinière

Im zweiten Teil seines Werkes “École de Cavalerie” kritisiert François Robichon de la Guérinière im ersten Kapitel, dass die Reiter seiner Zeit sich wenig mit der Reitkunst auseinander setzen und Hilfen nur mechanisch und mit Gewalt geben.

Dadurch würden nur gezwungene Ausführungen möglich, die Halbkenner beeindrucken können. Reiterliche Grundsätze würden nicht beachtet oder an Schüler weitergegeben. Das führe leider dazu, dass viele Anfänger gar nicht wüssten, was falsch und was richtig ist. Sie könnten ja nur nachahmen, was ihnen gezeigt wurde und es wäre leider sehr viel einfacher Fehler zu erlernen als die korrekte Ausführung. Viele würden zu viel mit den Händen einwirken, was a) nicht schön aussehe, b) den Sitz und damit die Schenkelhilfen störe und c) die Anlehnung zerstöre.

Andere Reiter würden nicht auf das Exterieur ihres Pferdes achten und ahmten Reiter mit perfekt gebauten Pferden nach. Da ihre Pferde nicht perfekt gebaut seien, würde diese Art des Reitens die Pferde überfordern und schädigen.

Er bedauert in diesem Kapitel, dass nur zwei große Reitmeister ein Werk von Wert hinterlassen haben: De la Broue und der Herzog von Newcastle. In seinem Werk bedient sich de la Guérinière bei beiden Meistern, die er sehr verehrt.

„Die Meinung derjenigen, welche die Theorie in der Reitkunst für unnütz erachten, wird mich nicht abhalten, zu behaupten, dass dies eins der nothwendigsten Stücke ist zur Vollkommenheit zu gelangen.“

— François Robichon de la Guérinière

Im Grunde kann man hier schon von einem Verständnis für die Biomechanik und ethologischen Ansätzen sprechen, da de la Guérinière davon ausgeht, dass ein Reiter nur mit dem Wissen um die Bewegungsabläufe, damit verbundenen Schwierigkeiten und die Natur des Pferdes, gut sein kann. Er fordert, nach Grundsätzen zu arbeiten, die nicht gegen die Natur des Pferdes arbeiten sondern diese vervollkommnen.

Er unterstreicht, dass es neben der Theorie wichtig sei, Pferde zu lieben, körperlich fit mit guten Koordinationsfähigkeiten zu sein und Geduld zu haben.

Er benutzt zwar die Worte „stark und herzhaft“ im Zusammenhang mit dem Umgang mit dem Pferd, präzisiert aber, dass er damit nicht meint, dass der Reiter gewaltsam sein soll oder draufgängerisch, denn dadurch würde er das Pferd quälen und in Angst versetzen. Ungezwungenheit, Gleichgewicht und eine schöne Optik sind ihm wichtig. Es würde lange dauern sich darin zu schulen. Das sei auch der Grund, weswegen viele Leute behaupten, dass die Dressur das Pferd für den gewöhnlichen Gebrauch verderbe. Dieser Theorie widerspricht de la Guérinière. Er hat schon damals erkannt, dass eine Gymnastizierung des Pferdes dazu dient, es gesund zu halten und rittiger zu machen.

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Nicht ohne Grund- Ursachen mangelnder Kooperation

Gibt es Fälle in den das Pferd ohne Grund den Reiter ignoriert oder schlimmer noch- abwehrt? Seit letzter Woche beschäftigt mich ein Thema, das mich schon mein ganzes Reiterleben begleitet: Welche Ursachen gibt es, wenn ein Pferd partout nicht kooperieren will?

Warum ich mich das frage? Das Pferd meiner besten Freundin Jenny ist ein solches “Null-Bock-Modell”: Sternchen ist ein Tinker-Mix. Sternchen kam zu Jenny nachdem er in seiner “Ausbildung” schon eine Menge mitgemacht hatte: Aus Erzählungen weiß ich, dass er in dieser Zeit mehrere Longen mit Trense im Maul zerrissen haben soll, er besonders tief eingestellt geritten und das Maul mit dem Sperriemen zugeschnürt wurde. Aus dem Umgang mit ihm weiß ich, dass er meist entweder gar nicht laufen möchte, so abschaltet, dass man das Gefühl hat, er hat gedanklich die Reitbahn verlassen oder dass er völlig ausrastet, bockt und sich wie ein wilder Mustang aufführt. Im Falle eines Abwurfes tritt er auch nach- eine ganz fiese Eigenschaft, die sehr gefährlich für den Reiter sein kann.

Jenny hat schon etliche Stürze hinter sich und war immer wieder frustriert, weil Sternchen einfach nicht bereit war mitzuarbeiten. Schon als ich Sternchen kennenlernte, vermutete ich, er könnte Schmerzen haben. Etliche Hufschmiede, Ostheopaten, Physiotherapeuten und Tierärzte später muss ich zu meiner Schande zugeben, dass auch ich schon anfing zu glauben, Sternchen habe einfach einen schwierigen Charakter.

Zunächst versuchten wir es gebisslos. Das klappte schon besser, trotzdem blieb das Genick und damit auch der Rücken von Sternchen häufig fest und den Unwillen vorwärts zu gehen, behob das auch nicht. Sternchens Zungenfehler konnte ich reiterlich mit viel Geduld und Gefühl optisch beheben, der Wallach blieb dennoch angespannt und seine Unart vor allem wenn ich ihn in die Dehnungshaltung entlassen wollte, plötzlich auszurasten und loszubocken, blieb ein großes Problem.

Ich entschloss mich also, zuerst am Boden mit ihm zu arbeiten. Hier riss er mir allerdings auch die Longe (mit Kappzaum) aus den Händen und weigerte sich auf Hilfen zu reagieren. Klassische Arbeit an der Hand- ein utopisches Fernziel.
Also noch ein paar Schritte zurück: Basics des Horsemanship. Wir übten im Stehen, im Schritt. Kleine Fortschritte im Vertrauen gab es, jedoch verweigerte sich Sternchen weiterhin vehement gegen das Vorwärts und gegen jegliche Reaktion auf Körpersprache.

Letzten Freitag war mein Hufschmied Olaf Optenplatz im Stall und Jenny ließ Sternchen dieses Mal auch von ihm begutachten und bearbeiten. Was dabei herauskam, machte Jenny und mich sprachlos und ist der Grund für diesen Post: Olaf stellte fest, dass Sternchens Kornrand links vorne völlig schief war.
“Reitet ihr den?” fragte er uns? Glücklicherweise konnten wir das nachdem wir vor sechs Monaten beschlossen hatten, dass Sternchen erst mal am Boden ein zuverlässiger Partner werden sollte, bevor wir uns wieder auf ihn drauf setzen, verneinen.

“Wenn der das so lange ausgehalten hat, dann ist das ein ganz schön harter Hund”, erklärte Olaf weiter. Die schiefe Hufstellung führte dazu, dass Sternchens Huf massiv gequetscht wurde. Das verursacht enorme Schmerzen und Schulterverspannungen. Wenn er also in die Dehnungshaltung geschickt wurde, hatte er vermutlich stechende Schmerzen, die wiederum zum Bocken führten. Mir wurde fast schlecht bei der Vorstellung, was Sternchen da durchgemacht hatte und vor allem, dass keiner der vorherigen Hufschmiede und auch Tierärzte das gesehen hat.

Hätten wir das nicht auch sehen können und müssen? Uns war schon aufgefallen, dass Sternchen häufig komisch stand. Deswegen haben wir ja jetzt auch Olaf gebeten, sich Sternchens Hufe anzusehen. Ein Experte ist aber eben ein Experte, weil er den Blick für solche Dinge entwickelt hat. Von den Tierärzten und Hufschmieden die das nicht erkannt haben, müsste man aber eigentlich erwarten können, dass sie einen Pferdebesitzer mit einem Pferd, das offensichtlich Probleme hat, zumindestens an einen entsprechenden Experten verweisen.

Nach dieser Geschichte bin ich einmal mehr überzeugt: Widersätzlichkeiten beim Pferd sind so gut wie NIE Charakterschwächen, sondern in den meisten Fällen gibt es eine körperliche oder psychische Ursache dafür. Es ist unsere Aufgabe als verantwortungsbewusste Reiter und Pferdebesitzer diese zu finden und zu beheben. “Darüber wegreiten” oder fadenscheinige Theorien vom dominanten “Arschlochpferd”, das vernünftig “erzogen” werden muss, sind die denkbar schlechtesten Ansätze damit umzugehen.

Fazit: Wenn Dein Pferd komisch ist oder sich nicht kooperativ verhält, gibt es dafür wahrscheinlich eine Ursache, die es davon abhält, Dir zu zeigen, wie viel es für Dich tun würde, wenn es nur könnte. Es ist allein unsere Aufgabe und unsere Verantwortung unserem Pferd die Möglichkeit zu geben uns zu zeigen, was es kann! Wenn ihr ein Pferd habt, das wie Sternchen nicht kooperiert, bestraft es nicht dafür sondern sucht die Ursache. Es wird Euch danach für ewig dankbar sein!

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Zu Besuch bei Kenzie Dysli

Das Pferdemagazin “DIE REITERIN” wird in Zukunft zur CAVALLO gehören und viermal im Jahr als Beihefter erscheinen. Für die ersten beiden Ausgaben zeichne ich verantwortlich für den Modeteil. Mein Plan: Eine tolle Reiterin zeigt uns die Highlights der neuen Frühjahrs/Sommer-Kollektionen der Reitmodenhersteller. Eine tolle Reiterin? Da fällt mir natürlich sofort Kenzie Dysli ein. Weiterer Vorteil: Sie wohnt auf einer Hacienda in Andalusien. Dort gibt es fast immer ideale Bedingungen für Fotoshootings und Kenzies Pferde Attila, Zazou, Ulysses und James sind sowieso vor Ort.

Nach langer Planung ist es am 27.01.2015 endlich soweit: Abflug nach Jerez de la Frontera. Mit vier Koffern und zwei Taschen voller Reitbekleidung geht es los. Ich komme bei lässigen 21 Grad Celsius in Jerez am Flughafen an. Zu Hause in Deutschland herrschen derweil Minusgrade. Mit Mietwagen fahre ich nach Villamartin. Leider will mein Navi nicht funktionieren. Also verlasse ich mich auf meinen eigenen Orientierungssinn. Das klappt fast. Adressen in Spanien zu finden ist nicht ganz einfach wie ich feststellen muss. Aber dann fragt Frau Trosse halt an ner Tanke nach.

Ich spreche Französisch, Englisch und Schwedisch. Spanisch gehört leider nicht dazu. Meine Sprachen gehören wiederum nicht zum Repertoire der Tankstellenmitarbeiter. Mit Händen und Füßen erkläre ich also, wo ich hin muss und verstehe glücklicherweise, was mir geantwortet wird. Wieder im Auto will ich gerade losfahren, als jemand ans Fenster klopft. Witzig: Das ist der Trainer der deutschen Nationalmannschaft für Working Equitation Manolo Oliva. Er war zufällig gerade vor Ort und erklärt mir den Weg jetzt noch einmal auf Englisch.

So gerüstet, klappt es jetzt mit der Wegfindung auf Anhieb. Die Hacienda Buena Suerte ist wirklich schön: Durch ein Tor gelangt man über eine Allee aus Olivenbäumen zur Hacienda, die zu dieser Jahreszeit völlig ruhig daliegt. Meine Ankunft wird als erstes von ein paar Hunden registriert. An Zitronenbäumen hängen reife Früchte und in der Abendsonne schnattern die Gänse hinterm Stall.

Ich treffe Kenzie in der Küche. Und sie zeigt mir, wo ich schlafen werde. Ich habe ein großes Zimmer in dem ich die ganzen Kollektions-Klamotten bestens für das Shooting vorbereiten kann. Am nächsten Tag suche ich zunächst geeignete Hintergründe für unser Fotoshooting. Die Hacienda bietet dafür tatsächlich unendliche Möglichkeiten. Bei meiner Tour über den Hof entdecke ich Merlin. Merlin ist ein dreijähriger spanischer Cremello-Hengst. Ich bin spontan verliebt.

Später am Tag hole ich meine Kollegin Lisa vom Flughafen in Jerez ab. Sie wird die Fotos machen und rückt mit weiteren Kisten und Koffern an. Gemeinsam schmieden wir noch letzte Pläne für den Ablauf des Shootings. Als wir auf der Hacienda ankommen, finden wir Kenzie und zwei ihrer Freundinnen, auf dem großen Reitplatz der Anlage beim täglichen Training von Kenzies Pferden. Auch abseits von Shows und Messen sieht Kenzies Arbeit sanft und völlig mühelos aus.

Das Fotoshooting am nächsten Tag klappt prima. Das Ergebnis dieser Reise findet Ihr in den CAVALLO Ausgaben 4-2015 und 7- 2015, die den Beihefter “Die Reiterin” beinhalten. Viel Spaß beim Stöbern und Shoppen!

Die spannenden Antworten des französischen Légèreté-Ausbilders auf diese Fragen könnt Ihr in Ausgabe 14 des Bookazins Feine Hilfen nachlesen. Dieses könnt Ihr HIER bestellen.

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Feine Hilfen: Ins Netz gegangen

Aus der Ausgabe 08

Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen kleinen Magen, ständig Appetit und es läge in Ihrer Natur den ganzen Tag über kleine Portionen Salat zu essen. Stellen Sie sich weiter vor, Sie bekämen trotz dieser Bedürfnisse nur zweimal am Tag eine kleine Portion Salat, dafür aber dreimal am Tag einen Burger. Die restliche Zeit dürften Sie nichts essen. Anfangs würden Sie sich vielleicht freuen, aber dann bekämen Sie vermutlich starke Bauchschmerzen.

So ähnlich geht es unseren Pferden: Ihr kleiner Magen ist auf die ständige Aufnahme von Pflanzenfasern ausgelegt. In freier Wildbahn sind Pferde rund 16 Stunden am Tag damit beschäftigt. Werden die Tiere dreimal am Tag mit Kraftfutter versorgt, aber nur zweimal am Tag mit einer portionierten Menge Heu, leidet auf Dauer der Verdauungstrakt:

Ein Pferdemagen produziert ohne Unterlass Magensäure. Die muss von einer ausreichenden Menge an Raufaser gepuffert werden, sonst leidet die Magenschleimhaut. Der Dickdarm von Pferden ist zudem darauf spezialisiert, selbst schwer verdauliche Faserstoffe mit Hilfe von Mikroorganismen in Energie umzuwandeln.

So beginnt mein Artikel über die Heufütterung in Ausgabe 8 des Bookazins “Feine Hilfen”.

Feine Hilfen Ausgabe 8 Cover

Feine Hilfen- was für ein Heft ist das?

„Feine Hilfen“ ist eine neue Mischung aus Buch und Magazin- also ein Bookazin. Es erscheint jeden zweiten Monat im Cadmos Verlag und ist für Reiter gedacht, die ihre Pferde im Sinne der klassischen Reitkunst- also artgerecht und mit dem Ziel der gesunderhaltenden Gymnastizierung- halten, ausbilden und trainieren möchten. Dabei stehen in den Artikeln des Bookazins sowohl psychische als auch physische Besonderheiten des Wesens “Pferd” im Fokus. Renommierte Ausbilder wie z.B. Thomas Ritter, Marlitt Wendt, Dr. Robert Stodulka oder Sibylle Wiemer, um nur einige zu nennen, schreiben und philosophieren hier über unser liebstes Thema.

Wer mehr lesen möchte kann das Heft HIER bestellen.

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